Ich habe (endlich) meine Buchmessen-Checkliste überarbeitet. Nicht, weil ich inzwischen genau weiß, wie man eine Buchmesse perfekt vorbereitet. Das wäre schön, ist aber nicht passiert. Eine Checkliste garantiert keine perfekte Messe. Sie sorgt nicht dafür, dass der Tisch plötzlich größer ist, dass alle Bücher gleich gut laufen oder dass man am Ende des Tages noch genau weiß, wem man welches Buch verkauft hat. Aber sie hilft ein wenig …
Denn sie kann etwas anderes. Sie kann dafür sorgen, dass man sich vorher die besseren Fragen stellt, also nicht nur, was muss mit, sondern auch wann man es braucht? Oder: Wo wird es liegen? Wie viel davon ist sinnvoll? Und wieso nimmt man es überhaupt mit? Das klingt erst einmal nach mehr Arbeit. Das ist es vielleicht auch, aber es ist definitiv die Arbeit wert.
Es lohnt sich, vorher zu überlegen, ob man wirklich zwanzig Lesezeichen, acht Bücherstapel, drei Sorten Goodies und Deko auf einen Tisch bekommt, als später vor Ort festzustellen, dass das Standkonzept offenbar von jemandem geplant wurde, der Tische nur aus der Theorie kennt. Die aktualisierte Buchmessen-Checkliste ist deshalb keine Zauberformel. Sie ist eher ein Versuch, das Messechaos einzufangen, bevor es mit Bücherkisten, Ladekabeln und zu vielen „Ach, das mache ich noch schnell“-Gedanken wie ein Komet einschlägt.
Als Besucher:in ist eine Buchmesse vergleichsweise unkompliziert. Die Packliste bleibt überschaubar: Ticket, Handy, Wasser, bequeme Schuhe, vielleicht eine Powerbank und genug Platz in der Tasche für Bücher, die nicht geplant waren.
Mit eigenem Stand sieht die Sache anders aus. Plötzlich geht es nicht mehr nur ums Ankommen, Schauen und Bücherkaufen, sondern auch um Aufbau, Verkauf, Gespräche, Technik, Deko, Lagerung und die Frage, wie man das eigene Buch möglichst verständlich erklärt, ohne jedes Mal bei Adam, Eva und dem kompletten Weltenbau anzufangen. Dann reicht eine „Was nehme ich zur Buchmesse mit?“-Liste nicht mehr, dann braucht man vorab bereits eine gewisse Planung.
Das ist die offensichtlichste Frage und trotzdem ist sie nicht so einfach, wie sie aussieht, auch wenn es Spaß macht, einfach einen Haken vor den entsprechenden Punkt zu setzen.
Es bedeutet nämlich nicht, alles einzupacken, was irgendwie mit Büchern zu tun hat. Denn so landen am Ende Bücher, Goodies, Aufsteller, Deko, Leseproben, Karten, Sticker, Stifte und vielleicht noch ein Einhorn in der Kiste, falls es farblich passt.
Die bessere Frage lautet: Was braucht es für genau diese Messe? Eine große Buchmesse verlangt eine andere Vorbereitung als eine kleine regionale Veranstaltung. Ein eigener Stand braucht mehr Material als einer, den man sich mit jemand anders teilt – und dann sollte man sich eventuell noch ein wenig absprechen. Wer allein am Stand ist, muss außerdem anders planen als jemand, der Unterstützung dabei hat.
Auf der Checkliste stehen deshalb nicht nur Bücher und Goodies, sondern auch Dinge wie Tischdecke, Aufbauplanung, Buchaufsteller, Präsentationsmaterial, Kassensystem, Hilfsmittel und Verpflegung. Dazu kommen Kontakte, Kommunikation und die Nachbereitung nach der Messe. Das sind alles Punkte, die auf den ersten Blick unwichtig wirken, aber im Nachhinein oft kosten können.
Nicht alles auf einer Buchmessen-Checkliste gehört in denselben Moment. Um Bücher, gedruckte Goodies, Preisschilder, QR-Codes, Kassensystem, Tischdecke oder eventuelle Vorgaben zu B1-Zertifikaten sollte man sich nicht erst am Abend vorher kümmern. Vor allem bei Büchern und Goodies lohnt sich genug Vorlauf, denn in den seltensten Fällen druckt man das mal eben am heimischen Drucker aus – und falls doch, streikt der Drucker vermutlich aus Prinzip.
Ich habe schon mitbekommen, wie Kolleg:innen kurz vor knapp im Quadrat gesprungen sind, weil entweder die Lieferung von Amazon mit 75% Mängelexemplaren ankam oder die neuen Lesezeichen verkehrtherum bedruckt sind.
Ein oft unterschätzter Punkt. Eingepackt bedeutet nicht automatisch griffbereit. Ein Signierstift, der irgendwo in einer Handtasche unter dem Tisch liegt, ist in dem Moment, in dem jemand ein Buch signiert haben möchte, nur bedingt hilfreich. Darum hilft es, den Stand in Bereiche zu denken: Was soll sichtbar sein? Was muss griffbereit liegen? Und wo steht das Getränk, ohne zu einer Gefahr zu werden?
Lieber zu viel als zu wenig klingt vernünftig, bis man am Ende alles wieder einpacken muss. Gerade bei Büchern und Goodies lohnt sich die Frage, welche Titel zur Messe passen, welche Materialien tatsächlich eine Aufgabe haben und was bei den Besucher:innen ankommt. Nicht alles, was hübsch ist, muss mit. Manchmal bedeutet bessere Planung nicht mehr Auswahl, sondern weniger Zeug, das im Weg liegt und später vielleicht mitgenommen werden muss.
Diese Frage räumt erstaunlich gut auf. Tischdecke? Macht den Stand ruhiger und versteckt die Transportkisten. Buchaufsteller? Machen Bücher sichtbarer, ohne dass sich die potenziellen neuen Leser:innen über den Tisch beugen müssen. Preisschilder? Nehmen eine Hemmschwelle weg.
Eine Buchmessen-Checkliste sollte allerdings nicht heimlich zur Einkaufsliste werden. Für fast jeden Punkt findet sich irgendein Zubehör, das kurz so wirkt, als würde es ein Problem lösen: schönere Kisten, bessere Aufsteller, ein Letterboard und noch ein bisschen Glitzerdeko.
Manchmal ist die sinnvollere Entscheidung nicht, noch etwas zu besorgen, sondern etwas wegzulassen.
Ich sage nur: Dekoefeu. Klang beim Kauf nach irischer Atmosphäre, einfach passend für GLYN, und wurde auf den bisherigen Messen ungefähr 0,0-mal gebraucht. Damit steht Dekoefeu bei mir für alles, was theoretisch schön ist, praktisch aber keine Aufgabe hat, und er ist der Grund, wieso ich bis heute keines dieser schicken Letterboards habe, die man ja auch so oft auf Messen sieht.
Nach der Messe möchte man meistens nur noch alles abstellen und nicht mehr über Kisten nachdenken. Trotzdem ist genau dann der richtige Moment, Einnahmen, Ausgaben, verkaufte Bücher, beliebte Goodies, offene Kontakte und fehlende Dinge zu notieren. Ein paar Tage später bleibt sonst oft nur noch „war schön, aber anstrengend“ übrig, was zwar stimmt, der nächsten Messe aber wenig hilft (der Steuer übrigens auch nicht).
Die aktualisierte Buchmessen-Checkliste gibt es deshalb nicht nur als PDF zum Ausdrucken, sondern auch als Markdown-Datei. Das PDF ist praktisch, wenn man beim Packen und Vorbereiten etwas in der Hand haben und abhaken möchte. Die Markdown-Version ist dagegen für alle gedacht, die digital planen, die Liste für jede Messe kopieren und nach der Veranstaltung ergänzen wollen.
Gerade wenn man mit Obsidian oder einer anderen Notiz-App arbeitet, lässt sich aus der Checkliste ein kleines Arbeitsdokument machen: eine Version für die nächste Messe, ergänzt um eigene Notizen, Standinfos, Buchauswahl, offene Aufgaben und spätere Erkenntnisse.
Da ich weiß, dass viele Autor:innen erstaunlich visuell arbeiten, noch ein kleiner Hinweis zu den Tabellen in der Markdown-Datei: Markdown ist ein sehr reduziertes Format. Ohne zusätzliches CSS lässt sich nicht zuverlässig festlegen, dass Tabellen immer über die komplette Seitenbreite laufen. Falls die Tabellen in eurer App also etwas schmal wirken, liegt das nicht daran, dass ich euch zum Schreiben in Briefmarkengröße zwingen möchte. Füllt sie am besten einfach mit euren Ideen, denn je mehr drinsteht, desto größer werden sie 😉
Wenn du selbst als Autor:in auf einer Buchmesse oder einer kleineren Literaturveranstaltung ausstellst, kannst du dir die aktualisierte Buchmessen-Checkliste hier herunterladen:
Die Buchmessen-Checkliste ist nur ein Teil meiner bisherigen Messeerfahrungen. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du hier die älteren Beiträge, in denen die Checkliste ursprünglich verlinkt war – und ein paar Ergänzungen aus der Praxis:
Die Checkliste wurde für die Version 2.0 nicht komplett neu erfunden, sondern leicht überarbeitet und an ein paar Stellen ergänzt. Der Grundgedanke bleibt gleich: Sie soll vor der Messe daran erinnern, was schnell vergessen wird – und danach helfen, die wichtigsten Notizen nicht direkt wieder zu verdrängen.
.md), die sich zum Beispiel in Obsidian nutzen und nach eigenen Vorstellungen anpassen lässt. Am Ende ist die Buchmessen-Checkliste also keine Garantie dafür, dass bei der nächsten Messe alles glattläuft. Irgendetwas ist schließlich immer: ein Tisch ist kleiner als gedacht oder ein Gegenstand fehlt genau dann, wenn man ihn braucht. Aber wenn die Liste dabei hilft, vorher einmal mehr zu überlegen, was wirklich mitmuss und was nur Dekoefeu ist, hat sie ihren Zweck erfüllt.
Und falls trotzdem etwas fehlt, landet es eben auf Version 2.1.
Viele Grüße
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Ich bin Catrina Seiler, Autorin und Bloggerin. Hier schreibe ich über Bücher, Lesen, Schreiben und natürlich auch über meine eigenen Geschichten.
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